Das Wesen auf der einsamen Insel

Es mag sein, dass man auf einer einsamen Insel nicht sagen kann, dass der Körper falsch ist. Dies aber nicht, weil er es nicht ist, sondern schlicht weil man da keine Vorstellung davon haben kann, wie er denn richtig sein kann, oder dass er überhaupt anders sein könnte.

Man kann aber auch nicht absprechen, dass man auf dieser Insel irgendwie anders wäre, als Andere, die den gleichen Körper haben wie man selbst. Denn die Dinge die wir tun und wie wir die Dinge tun, ist Ausdruck unseres Wesens. Haben wir z.B. ein ungeduldiges Wesen, werden wir die Dinge ungeduldig tun. Haben wir ein mitfühlendes Wesen, werden wir die Dinge mitfühlend
tun – und umgekehrt und usw.

Dabei ist es gleicht, ob man das nun Wesen, Instinkt, Eigenschaft oder Eigenart nennt. Ich denke wir werden uns einig sein, dass es Zustände sind, die uns als Veranlagungen mitgegeben wurden, vielleicht noch durch das Umfeld gepuscht oder abgeschwächt werden - nicht aber erzeugt oder eliminiert werden können.

In der selben Weise haben wir auch ein geschlechtliches Wesen, das uns bei Unterschiedlichkeit auch auf einer einsamen Insel anders sein lässt, als Andere mit den gleichen sichtbaren körpergeschlechtlichen Merkmalen wie wir.

Aufgrund unseres Inneren Verlangens uns mitzuteilen und uns auszudrücken, werden wir dies immer tun. Auf einer einsamen Insel für uns, in einer Gemeinschaft für uns und andere. Das Ziel unseres Wesens ist es dabei, sich maximal stimmig mitzuteilen und auszudrücken. Man schießt deshalb auch schnell über das Ziel hinaus, wenn man von (Rollen-)Klischees spricht, diese als Zwang sieht und sie abschaffen möchte. Vieles davon darf man auch als freiwillige und als passend empfundene Ausdrucksweisen der Veranlagungen und des Wesens ansehen.

Ein schwieriger Spagat, der eigentlich nur über die Gleichwertigkeit (nicht Gleichheit) der beiden Geschlechter zu meistern ist. Denn nur dadurch können sich diese Wesen(szüge) der Menschen wertungsfrei ausdrücken und den erwartungsbedingten Zwang zur Bedienung eines Klischees auslöschen.

Dieses geschlechtliche Wesen der Menschen wird auch dafür sorgen, dass weibliche Menschen auch in 127 Jahren, wenn es z.B. nur noch Unisex-Kleidung geben wird, eine Variante (er)finden, sich von den männlichen Menschen in der Kleidung zu unterscheiden.

Alle Reflektionen mit dem gesellschaftlichen Umfeld führen nur dazu, das eigene Wesen, egal ob geschlechtlicher oder charakterlicher Ausprägung, als stimmig oder unstimmig gegenüber der Masse zu beurteilen. Dabei kann es für sich aber niemals unstimmig mit sich selbst sein – weil man sein Wesen ist.

Trans*Menschen und transsexuelle Menschen haben gemeinsam, dass das geschlechtliche Wesen nicht dem sonst gängigen Zusammenspiel von geschlechtlichem Wesen und sichtbaren geschlechtlichen Körpermerkmalen entspricht. Deshalb sind sie in der Außensicht (Draufsicht) in der Regel auch nicht zu unterscheiden.

Der Unterschied besteht – wie ich behelfsmäßig formulieren würde - darin, dass transsexuelle Menschen eine hohe innere Selbstreflektion mit ihrem Wesen haben (daraus das Wissen um ihr Geschlecht ableiten), Trans*Menschen in der Reflektion mit dem gesellschaftlichen Umfeld ihr Wesen abgleichen (um in der für ihr Wesen passenden gesellschaftlichen Rolle oder Position leben zu dürfen/können – zeitweise oder dauerhaft).

Bei Wegfall sämtlicher Rollenverhaltensweisen von Mann und Frau (nur theoretisch möglich), würde es dann praktisch keine Transvestiten mehr geben. Allein aber die Wirklichkeit, dass es Transvestiten gibt, bestätigt die ewige natürliche Dualität der Geschlechter. Transvestiten können nur unsichtbarer werden, so wie heute schon die weiblichen Transvestiten.

Alles was es gibt, ist auch Wahrheit.

Autor: Rosi Hach - 30.Juli 2015

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